Neue Techniken

Unser Herz

Das Herz der Lebewesen ist der Grundstock ihres Lebens, der Fürst ihrer aller, der kleinen Welt Sonne, von der alles Leben abhängt, alle Frische und Kraft ausstrahlt“, so William Harvey in seiner Schrift „Die Bewegung des Herzens und des Blutes“ aus dem Jahr 1628. Der englische Arzt und Anatom Harvey beschrieb erstmals den Kreislauf vom Blut im Körper. Verantwortlich dafür ist der Muskel, der niemals ruht: Unser Herz.

Im Durchschnitt ist es nur 15 cm groß 300 Gramm schwer und sichert doch die Versorgung aller Organe mit Blut, von dem es – bei großer Anstrengung bis zu 25 Liter pro Minute durch unseren Körper pumpt. Zweifellos eine Hochleistungsmaschine, von deren Gesundheit unser Leben abhängt, wortwörtlich. Ihrem Erhalt gilt unsere Arbeit, in die wir unser Wissen und unsere Erfahrung einfließen lassen. Dabei nutzen wir innovative Technik und Methoden.

 

Perfusion und Durchblutungsstörungen

Das Herz arbeitet wie eine Verdrängerpumpe, indem es Flüssigkeit (Blut) ventilgesteuert aus Blutgefäßen ansaugt und durch andere Blutgefäße ausstößt. Dabei werden Organe oder -teile mit Blut versorgt – man nennt dies (Hämo-)Perfusion oder einfach Durchblutung. Die Zufuhr erfolgt über Arterien, der Abfluss über Venen. Auf diese Weise werden einerseits Gewebe mit Sauerstoff, Nährstoffen und anderen lebensnotwendigen Blutbestandteilen versorgt, andererseits Stoffwechselprodukte und Kohlenstoffdioxid abtransportiert.

Durch Beeinträchtigungen kann es zu Durchblutungsstörungen kommen – mit negativen Auswirkungen auf Organ- und Gewebsfunktionen. Diese Beeinträchtigungen können nicht nur die Folge einer Fehlfunktion des Herzens sein, sondern auch durch Schädigung von Gefäßen (Läsion), Gefäßaussackungen (Aneurysma), Verengungen (Stenose) oder Verschluss eines Blutgefäßes durch Blutgerinnsel (Thrombose) entstehen.

 

Digitale Subtraktionsangiographie (DSA)

Um Blutgefäße zu untersuchen, wird die Angiographie (Röntgen) angewandt, genauer gesagt: die digitale Subtraktionsangiographie (DSA). Ihr Vorteil gegenüber der konventionellen Angiographie besteht darin, dass durch die Subtraktion störende Elemente wie Knochen aus dem Röntgenbild quasi gelöscht werden. Hierzu wird zunächst ein normales Röntgenbild angefertigt.

Nach der Injektion von Kontrastmittel erfolgt ein CT-Scan. Der Computer generiert auf Basis der Aufnahmen danach ein DSA-Bild. Der Effekt: Beim DSA-Bild sind nur die kontrastmittelgefüllten Blutgefäße zu sehen, alle anderen Strukturen sind weitestgehend ausgeblendet. Somit können wir auch geringergradige Verengungen sehr gut erkennen, exakt ausgemessen und adäquat reagieren.

 

Fat attenuation index (FAI)

Moderne medizintechnische Systeme wie unser Computertomograph liefern nicht nur hochauflösende Bilder, welche die Grundlage für eine präzise Diagnostik sind. Sie können auch millimetergenau die Umgebung der Koronararterien (Herzkranzgefäße) scannen. Das bringt einen Vorteil im Bereich der Früherkennung, der erst jüngst entdeckt wurde. Denn für jeden einzelnen Gewebepunkt (Voxel) kann der sogenannte Fat attenuation index (FAI) berechnet werden.

Forscher fanden heraus, dass die Entzündungsreaktionen in den Blutgefäßen Auswirkungen auf das umgebende Fettgewebe haben: Fettzellen lagern weniger Fett ein. In der Computertomographie kann dies sichtbar gemacht werden, da Fette Röntgenstrahlen anders abschwächen als andere Bestandteile des Körpers. Der FAI könnte als Indikator genutzt werden, um den Zustand einzelner Plaques (entzündliche Veränderungen der Blutgefäße) im Frühstadium zu beurteilen. Idealerweise ließe sich auch vorhersagen, an welchem Ort sich eine Stenose oder Thrombose entwickeln könnte.

Der FAI ist mit dem Koronarkalk-Index vergleichbar. Doch während der Koronarkalk-Index die Folge der Atherosklerose anzeigt, könnte der FAI frühe Schädigungen erkennen. Diese ließen sich dann durch einen Lebenswandel oder durch Einnahme entsprechender Medikamente stoppen oder zumindest abschwächen.